Tipps zum Gebrauchtfahrradkauf

Unsere Tipps zum Gebrauchtfahrradkauf

Tipp Nr. 1: Was brauche ich eigentlich?

Auch uns überrascht die Fahrradindustrie immer wieder aufs Neue. Gab es noch vor kurzer Zeit eine übersichtliche Auswahl, weiß man heute mitunter gar nicht mehr, was man kaufen sollte. Gravel-, Triathlon-, Rennräder, Fitnessbike, Trekkingrad, nicht zu vergessen die vielen Kategorien von MTBs oder das gute Cityrad, mit und ohne elektrischer Unterstützung, das Angebot scheint schier unendlich …

So simpel es klingt, es macht großen Sinn, wenn ihr euch erstmal klar darüber werdet, WAS ihr wirklich wollt und braucht.

Wer sich ein Rennrad kauft und damit in der Stadt fahren möchte, wird möglicherweise schnell verzweifeln, wenn er bestimmte Strecken nicht fahren kann, weil Kopfsteinpflaster, Schotterwege oder Straßenbahnschienen seinen Weg kreuzen.
Und wer mit seinem Bike im Urlaub die Alpen befahren möchte, der sollte sich eher ein Mountainbike zulegen als einen schicken Cityflitzer.

Tipp Nr. 2: Budget festlegen

Wieviel möchtet ihr ausgeben? Und was kostet, was ich suche, eigentlich neu?

Beim Fahrrad ist es so wie bei einem Neuwagen. Man kann innerhalb der ersten zwei Jahre von ca. 50% Wertverlust ausgehen.
Natürlich gibt es weitere Faktoren, die den Wert eines Rades beeinflussen.
Möchtest Du eine Trendmarke oder eine Marke, die besonders hochwertig ist, kann der Preis schon mal um ca. 20% nach oben gehen. Wichtig ist ebenfalls das Alter.

Je nach Alter kann man folgende Tabelle als grobe Richtlinie nehmen:

Jahr Restwert vom Kaufpreis Beispiel
Kauf 100% Neupreis: 1.400 €
1. Jahr ca. 75% rund 1.050 €
2. Jahr ca. 50% rund 700 €
3. Jahr ca. 43% rund 600 €
4. Jahr ca. 37% rund 517 €
5. Jahr ca. 32% rund 450 €
6. Jahr ca. 29% rund 400 €
7. Jahr ca. 26% rund 367 €
8. Jahr ca. 25% rund 350 €

Großen Einfluss auf den Preis haben weitere Punkte:  Nachfrage, Zeitpunkt des Kaufes, Verschleiß und Optik sind sehr preisbildend.

Sind z.B. die Komponenten und Verschleißteile in einem guten Zustand, so dass nicht mehr viel ins neue Gebrauchte investiert werden muss, kann ein höherer Preis veranschlagt werden.

Tipp Nr. 3: Wo kaufe ich?

Wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, was das Preis-Leistungsverhältnis betrifft und ein Rad erwerben möchtet, das zudem fahrtauglich, sicher und geprüft ist, dann solltet ihr beim Fachhändler kaufen.
Hier werdet ihr zudem gut beraten, könnt eine Probefahrt mit dem avisierten Bike machen und seid auch in Sachen StVO auf der sicheren Seite.
Aber auch im Internet auf einschlägigen Seiten, wie z.B. bikesale.de oder bikeexchange.de, ebay oder ebay Kleinanzeigen findet ihr gute gebrauchte Räder. In Fachzeitschriften lohnt es sich ebenfalls nachzuschauen, wenn ihr bspw. etwas Spezielleres sucht.

… und nicht zu vergessen, der Fahrradmarkt Leipzig …

Mehrmals im Jahr bieten Händler und Privatverkäufer Räder zum Kauf an und auch hier hat der eine oder andere schon ein Schnäppchen gemacht.
Großer Vorteil: du kannst an einem Tag aus einer Vielzahl von Fahrrädern auswählen, um für dich das passende Bike zu finden.

Tipp Nr. 4: Schnell-Check

Ihr habt ein vielversprechendes Rad gefunden?
Dann bitte genau anschauen: Habt ihr vorab Bilder gesehen? Sieht das Rad aus wie auf den Fotos?
Welchen Gesamteindruck macht es? Hat es Witterungsspuren? Rost? Sind Unfallschäden erkennbar?
Ist es sauber und gepflegt?
Ein ungeputztes, dreckiges Rad lässt darauf schließen, dass es auch vorher nicht besser behandelt wurde.
Ganz wichtig ist auch der Rahmen.
Achtet auf kleinste Risse. Findet ihr etwas… Finger weg von diesem Rad!

Tipp Nr. 5: Verkäufer-Check

Was sagt der Verkäufer? Erwähnt er Mängel am Rad von sich aus? Ist er/sie vertrauenswürdig?
Gibt es eine Rechnung oder einen Kaufvertag zum Rad?
Gerade in unserer Stadt wird Fahrraddiebstahl immer mehr zum Problem.
Da ist es doch für Käufer und Verkäufer eine gute Idee, einen Kaufvertrag abzuschließen.
Zum einen erklärt der Verkäufer, dass das Rad unfallfrei und sein Eigentum ist. Sollte sich etwas anderes herausstellen, bietet ein Kaufvertrag die Möglichkeit vom Kauf zurückzutreten.
Zum anderen kann der Verkäufer jegliche Sachmängel (bis auf die zugesicherten Eigenschaften und das Eigentum) ausschließen.

Musterkaufverträge findet ihr z.B. hier :

https://www.fahrradmarkt-leipzig.de/kaufvertragprivat.pdf

auf unserer Webseite.

Tipp Nr. 6: Bremsen

Schaut euch als erstes die Bremsschuhe an.
Sind sie schon abgefahren oder gar nur noch kurze Stummel?
Sind die Felgen „gesund“ und unbeschädigt oder schon durchgebremst?
Greifen die Bremsen? Leicht oder eher schwer?
Lassen sich die Bremshebel bis zum Griff durchziehen? (Das sollte nicht der Fall sein!)
Sind die Bremszüge noch einwandfrei oder lösen sich da schon einzelne Drähte?
Schleifen die Bremsen bei nicht gezogenem Bremshebel am Rad? All das kann im Nachgang teuer werden!

Auch bei Scheibenbremsen gibt es einiges zu beachten. Haben die Scheiben noch genügend Stärke?
Die Mindestdicke steht üblicherweise auf den Bremsscheiben. Sind die Scheiben verfärbt, dann sind sie mal zu heiß geworden.
Haben die Beläge noch die Mindestdicke und laufen geräuschlos im Bremssattel?
Sind die Bremsleitungen ohne Beschädigungen und auch trocken?
Haben die Bremshebel einen eindeutigen Druckpunkt oder fühlt es sich eher schwammig an ?

Stichpunkt Entlüften … Wie auch bei mechanischen Felgenbremsen kann hier eine Reparatur sehr schnell viel Geld kosten.

Tipp Nr. 7: Laufräder und Reifen

Wie sehen die Reifen aus? Haben sie Risse? Auf der Lauffläche oder an den Seitenwänden?
Sind sie porös? (Besser nicht!) Ist ausreichend Profil vorhanden?
Und die Laufräder? Laufen unrund?
Prüft das Nabenspiel durch seitliches hin- und her bewegen der Laufräder. Laufen die Naben auch nicht rau?
Nicht zu vergessen der feste Griff in die Speichen – große Bewegungen dieser sind nicht erwünscht.

Tipp Nr. 8: Der Antrieb: Kurbel, Pedale, Kette, Kassette, Innenlager …

Die Kurbeln sollten geräuschfrei und leicht laufen. Vor allem ohne Spiel. Prüfbar durch kräftige Hin- und Herbewegung an den Kurbeln. Spürt ihr da ein Spiel, deutet das auf ein verschlissenes Innenlager (Tretlager) hin.
Lassen sich die Pedale leicht und ohne Spiel bewegen?
Ist die Kette noch nicht überlängt? Am besten mit einer Kettenlehre überprüfen. Denn ist dies der Fall, wird der Austausch der Kette und der Kassette empfohlen.
Die Zähne der Kettenblätter vorn sehen aus wie spitze Haizähne? Wenn ja, dann wird es höchste Zeit für einen Tausch!
Und schlussendlich sollte auch die Schaltung einwandfrei funktionieren. Egal ob Naben- oder Kettenschaltung.
Lassen sich alle Gänge schalten oder springt die Schaltung zwischen den Gängen? Sind der kleinste und größte Gang schaltbar?
Vorsicht bei kompletter Fehlfunktion, die ist oft mit hohen Folgekosten verbunden.

Tipp Nr. 9: Rahmen, Vorbau, Steuersatz und Lenker

Der Rahmen sollte penibel in Augenschein genommen werden:
Risse, Dellen oder sogar Knicke können lebensgefährlich werden.
Stark belastete Stellen, an denen z.B. mehrere Rohre des Rahmens zusammenlaufen, besonders gründlich anschauen.
Im Steuersatz darf kein Spiel auftreten. Vorderbremse gezogen lassen und mit einer Hand oberes Gabelende und unteres Ende des Steuerrohres umfassen, Fahrrad vor und zurück bewegen… kein Spiel fühlbar? Der Lenker lässt sich bei angehobenem Vorderrad leicht nach links und rechts drehen? Dann ist der Steuersatz in Ordnung.
Lenker und Vorbau nicht vergessen. Alles sitzt fest, nichts ist verzogen oder schief?
Das Überprüfen der Gabel ist Pflicht!
Stoßen Rad und Pedale beim Lenken aneinander? (Dann könnte die Gabel verbogen sein!)

Abschließende Frage:
Passt die Rahmenhöhe zu mir?
Die variiert je nach Fahrradtyp. Gemessen wird sie von der Innenlagermitte bis Ende Sitzrohr.
Ausschlaggebendes Maß für die richtige Rahmenhöhe ist eure Schrittlänge.

Hilfe gibt’s im Internet oder ganz individuell beim Fachhändler.

https://www.fahrrad.de/rahmenberechnung.html

https://www.bruegelmann.de/rahmenberechnung.html

Tipp Nr. 10: Probefahrt, letzter Check

Last but not least: Gibt es Licht? Und funktioniert es?

Wenn alles passt, gönnt euch eine ausgiebige Probefahrt.
Nur bei einer Probefahrt kann ich sofort fühlen, ob das Fahrrad wirklich zu mir passt und ob ich mich wohl fühle …

Fehlen nur noch die Handelseinigkeit zwischen Verkäufer und Käufer und der KAUFVERTRAG!

Na dann … Gute Fahrt! 🙂